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Weihnachtliche
Geschichten
(Wenn Engel reisen)
3. Forts.
(geschrieben
von Paisuma)
Die
Läden hatten geöffnet und ich kaufte im
Duty Free Shop einen Duft und im Buchladen einen netten
Roman, den ich selbst schon gelesen hatte und mit
gutem Gewissen weiterempfehlen konnte. Bei Tie
Rack liefen wir uns hinter einem Regal mit Schals
über den Weg und mussten lachen. Irgendwann hatte
ich den Check-In-Bereich abgegrast. Gate 71 am Düsseldorfer
Flughafen war im trübsinnigsten Check-In-Bereich,
den man sich vorstellen konnte, das nur am Rande,
aber die wichtigsten Notfall-Weihnachtsgeschenke kriegte
man schon zusammen. Gleichzeitig kamen wir in der
Business Lounge an, und machten es uns unter dem großen,
mit gruseligen blauen und orangen Kugeln geschmückten
Weihnachtsbaum gemütlich. Die Leute gucken,
flüsterte Daniel konspirativ. Das ist mir
egal, flüsterte ich ebenso konspirativ
zurück und fühlte alte 68iger-Studentenrebellion
in mir aufsteigen. Wir packten einträchtig unsere
Geschenke aus. Das Parfüm, da waren wir uns einig,
roch nach Pumakacke, aber das Buch fand begeisterten
Beifall. Ich bekam einen rosa Schal, den ich mir tapfer
umschlang, aber innerlich schon meiner älteren
Tochter vererbte. Die Flasche Jack Daniels fand aber
meinen begeisterten Beifall. Ich wog die Flasche in
meiner Hand. Ich bin echt betrunken, sagte
ich nachdenklich und stolperte schon ein bißchen
über die Konsonanten. Ichauch, sagte
Daniel , die Konsonanten geschickt vermeidend und
fiel von seinem Köfferchen. Morgen stehssu
in der Bildzeitung, flüsterte ich, als
ich ihm hochhalf. Dassiss mir egal, flüsterte
Daniel rebellisch und wir brachen in einen unkontrollierten
Lachanfall aus. Ok, Haltung bewahren!,
ordnete ich an. Daniel machte den Rücken gerade,
setzte ein demonstratives Haltung-bewahren-Gesicht
auf, und löste wieder einen Heiterkeitsausbruch
in mir aus. Ich hab noch was gekauft,
erklärte Daniel stolz und brachte eine CD zum
Vorschein. Karaoke Christmas, las ich.
Das ist nicht Dein Ernst. Das
ist mein voller Ernst, erklärte Daniel,
krabbelte mit unbeholfenen Bewegungen von dem Köfferchen,
auf das ich ihm eben hinaufgeholfen hatte, und holte
einen Laptop heraus, den er verstohlen an dem Mehrfachstecker
anschloß, der dem gruseligen blau-orangen Christbaum
zu seinem lufthansa-festlichen Glanz verhalf. Zu
Weihnachten gehören Weihnachtslieder.Daniel
steckte eine CD in das CD-ROM-Fach und ich schlug
die Hände vors Gesicht. Vertraute Klänge
erklangen blechern aus dem kleinen Computer. Last
Christmas, I gäääf juuu mei haaaart
krähte Daniel fröhlich, und ich konnte nicht
anders, als einzustimmen.
gave it away!
Ich kannte meinen Einsatz und Daniel verpasste vor
Lachen eine Zeile. Ich hauchte mein
special
wie Marilyn Monroe. Einige der Zombies drehten sich
nervös nach uns um. Wir steckten die Köpfe
über das Textheftchen zusammen und versuchten,
die Strophen mitzusingen, was uns nicht gelang. Das
geht ganz anders! verkündete Daniel und
gab eine reichlich individualistische Version von
Strophe zwei zum Besten. Beim Refrain waren wir uns
wieder einig, wie der Text verteilt wurde, und gaben
alles. Nervöse Gesichter drehten sich zu uns
um, Gespräche verstummten. Ein Grüppchen
von angesäuselten Jung-Brokern fiel grölend
in den Refrain ein. Die dicken Syndikus-Anwälte
mit den Pilotenköfferchen ignorierten uns indigniert.
(Forts. HIER)
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