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Weihnachtliche
Geschichten
(Wenn Engel reisen)
2. Forts.
(geschrieben
von Paisuma)
Daniel
streckte seine Hände wieder weit über den
Tisch und schaute mich mit einem Hundeblick an. Traurig?
Ich nickte und schluckte den Kloß im Hals herunter.
Weißt Du, für mich ist Weihnachten
so wichtig, weil ich nicht weiß, wie viele Weihnachten
wir noch so feiern können, wie wir es jetzt tun.
Meine Eltern sind schon alt, die Schwiegereltern auch.
Die Kinder werden größer, werden irgendwann
selber Familie haben. Die Zahl der Weihnachten, die
wir noch so feiern können, ist endlich und abzählbar.
Und das ist das furchtbare Gefühl, dass mir eines
gestohlen wird. Ich trank einen kräftigen
Schluck Rotwein. In Deinem Alter hatte ich immer
das Gefühl, alles wird immer so bleiben, wie
es ist. Wenn man etwas Besonderes versäumte,
das war nicht schlimm, weil man es ja immer und immer
wiederholen konnte. Daniel spielte verdrossen
mit den Knöpfen seines Mantels. Bei mir
war das nicht so. Also bei uns war das immer so
Ich bin ja ziemlich oft umgezogen und so. Oft hatten
wir gar kein tolles Weihnachten, manchmal war es ziemlich
chaotisch. Daniel schüttelte ungeduldig
den Kopf. Auf jeden Fall
jedes Weihnachten,
das ich in Frieden mit meiner Familie, mit irgendeiner
Familie verbringen kann, ist für mich etwas Besonderes.
Das ist bei mir so wie bei Dir. Bei anderen in meinem
Alter nicht, aber ich kann auf so viel
Er suchte mit wedelnden Händen nach einem Wort.
zurückgreifen, half ich. Ja,
zurückgreifen, das ist das richtige Wort.
Warum
erzählst Du mir das eigentlich alles? Woher willst
Du wissen, dass ich das ganze nicht morgen an die
Bild-Zeitung verkaufe? frage ich unvermittelt.
Dieser Teenager schüttete einer völlig Fremden
am Flughafen sein Herz aus und erzählte die allerpersönlichsten
Dinge, mit einer völligen Arglosigkeit, die mir
das Herz zusammenkrampfte. Das hatte gesessen. Daniel
fuhr zurück, seine Augen wurden schmal. Ich hielt
seinem Blick stand. Weiß nicht,
antwortete er zögernd. Ich hatte einfach
den Eindruck, dass Du es nicht machst. Ich sagte
nichts mehr darauf, es ging mich auch nichts an. Am
liebsten hätte ich mir auf die Zunge gebissen.
Der Misston hing zwischen uns und ich fand keine Worte,
um zu erklären, was ich gemeint hatte. Wir schwiegen
beide und schauten für einen Moment so unglücklich
drein, wie die Leute um uns herum, die allein oder
zu zweit an ihren Tischchen saßen und der erneuten
Durchsage lauschten
verzögert sich
auf unbestimmte Zeit.
Verdammt,
es ist Heiligabend, wir sollten Weihnachten feiern!
rief Daniel und ich schreckte auf. Ja, der Abend
ist doch sowieso gelaufen. Ich habe noch eine zweistündige
Autofahrt vor mir, und dann ist Heiligabend zu Ende.
Heute feiert keiner hier mehr Bescherung. Wir sollten
das Beste draus machen. Ich schaute ihn etwas
verstört an, und er funkelte enthusiastisch.
Komm, wir machen uns Geschenke singen Weihnachtslieder.
Du spinnst, sagte ich trocken.
Daniel wand mir das Rotweinglas aus der Hand knallte
es auf den Tisch. Jeder hat eine halbe Stunde
um Geschenke zu besorgen. Dann treffen wir uns in
der Business Lounge vor dem Christbaum. Komm, das
wird lustig. Daniel zerrte aufgeregt an meinem
Ärmel und bei der gesammelten Aufbruchstimmung,
die er ausstrahlte, musste ich klein beigeben. Kaum
hatte ich Meinetwegen gesagt, war Daniel
auch schon unterwegs, so dass ich nur noch sein unternehmungslustiges
Pferdeschwänzchen um die Ecke verschwinden sah.
Seufzend rappelte ich mich auf, kippte den letzten
Schluck Rotwein hinunter und machte mich auf den Weg
(Forts. HIER)
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